Dienstag, 25. Februar 2014

Fehldiagnose! Unbedingt ansehen!

Heute von Regina Breul bekommen:
https://www.facebook.com/photo.php?v=824204557597143

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Bin wieder da!

Die Ruhe ist vorbei, ich arbeite mich in meine Blogs ein und werde künftig häufiger hier was hinterlassen.

Hier ist ein Link, der sehr interessant ist:

http://www.aerzteblatt.de/archiv/155334/Strafverfahren-gegen-Transplantationsmediziner-Prozess-mit-Signalwirkung

Freitag, 23. März 2012

Ein Interview mit Paolo Bavastro

"Der Hirntod ist nicht der Tod des Menschen"

Paolo Bavastro verlangt Zustimmungslösung zur Organspende in engstmöglichen Grenzen

Im Zuge der Debatte um eine Neuregelung bei Organspenden hat der Stuttgarter Kardiologe Paolo Bavastro eine Zustimmungslösung in den engstmöglichen Grenzen verlangt. Bavastro sagte, ein hirntoter Mensch sei nicht tot, sondern ein schwerstkranker, sterbender Mensch. Deswegen dürfe man ihm keine Organe entnehmen.
Frank Meyer: Für Organspenden ist die Regelung ganz eindeutig: Organe dürfen nur toten Spendern entnommen werden. Wann aber ist ein Mensch tot? Nach der gängigen Definition ist das der Fall, wenn der Hirntod eingetreten ist. Aber: ein hirntoter Mensch kann noch beatmet werden, dann hat er ein schlagendes Herz - das Blut fließt noch durch seinen Körper. Über die Grenze zwischen Leben und Tod sprechen wir mit dem Stuttgarter Internisten und Kardiologen PaoIo Bavastro. Seien Sie willkommen, Herr Bavastro!

Paolo Bavastro: Einen schönen guten Tag!

Meyer: Herr Bavastro, Sie haben als Chefarzt in Stuttgart eine hirntote Patientin behandelt, die schwanger war. Sie haben diese Schwangerschaft über 84 Tage hinweg aufrecht erhalten, sodass das Kind dieser Patientin per Kaiserschnitt entbunden werden konnte. Wie hat denn diese Erfahrung mit dieser hirntoten Patientin Ihre Auffassung vom Hirntod verändert?

Bavastro: Die Auffassung hat sich insofern verändert durch die ganz elementare evidente Tatsache, dass die Hirntodsituation, wenn sie denn als Tod definiert wird, bedeuten würde, diese Patientin war eine Leiche, und in einer Leiche entwickelt sich ein Embryo bis zur Lebensfähigkeit, das ist ein Widerspruch in sich. Und dadurch hat sich täglich die Evidenz gezeigt: Der Hirntod ist nicht der Tod des Menschen!

Meyer: Was haben Sie mit dieser Patientin erlebt nach ihrem Hirntod? Was haben Sie zum Beispiel beobachtet, was diese Patientin, oder dieser Körper - wie immer man das sagen will - noch registriert hat, noch erfahren hat von seiner Umwelt?

Bavastro: Was diese Patientin von ihrer Umwelt erfahren hat auf der Ebene des Bewusstseins, das kann ich nicht sagen, das wissen wir nicht. Was wir wahrnehmen konnten, das war täglich, dass das Herz schlägt, dass die Temperatur des Körpers da ist, dass sie Ausscheidungen hatte, sowohl Urin als auch Stuhl, dass sie geschwitzt hat. Wir wissen aus der Literatur und aus der Biologie, dass diese Menschen Antikörper bilden können, also geimpft werden könnten, dass Frauen schwanger werden können, dass Männer Erektionen haben - das sind alles elementarste biologische Phänomene, die dazu führen, dass man täglich am Krankenbett erlebt, dass das ein lebendiger Mensch ist, schwerstkrank, aber eben lebendig!

Meyer: Aber gäbe es nicht auch die Möglichkeit, dass die Patientin, die Sie damals behandelt haben, dass sie gar nicht hirntot war? Denn soweit ich weiß, den entscheidenden Test für diese Situation, ob ein Mensch noch zur eigenen Atmung fähig ist, den haben Sie doch nicht gemacht.

Bavastro: Die Vorgeschichte der Patientin in dem anderen Krankenhaus, wo sie schon behandelt war, hat mehrfach gezeigt, dass sie keine spontane Atmung hatte, weil dort mehrere Versuche gemacht worden sind, und die Tests, die damals - vor 20 Jahren - vorgeschrieben waren, die haben wir durchgeführt.

Meyer: Sagen sie deshalb nun ausgehend von diesen Erfahrungen: Ein hirntoter Mensch ist im Widerspruch zu der Auffassung, die bei uns auch im Transplantationsgesetz steht, ein hirntoter Mensch ist gar nicht tot?

Bavastro: So ist es. Ein hirntoter Mensch - deshalb ist der Begriff schon, wenn man das juristisch formulieren will, eine arglistige Täuschung -, ein Mensch in Hirnversagen ist ein Mensch, dessen Gehirn einen erheblichen Schaden hat, aber - es ist ein schwerstkranker, sterbender Mensch, aber noch kein Toter. Sonst könnten wir auch keine lebensfähigen Organe aus einem toten Menschen entnehmen. Wir brauchen lebendige Organe aus einem noch lebenden Organismus.

Meyer: Aber es ist ein sterbender Mensch. Das heißt doch, dieser Prozess ist unumkehrbar. Ein Mensch, bei dem man den Hirntod festgestellt hat, wird in jedem Fall sterben?

Bavastro: Soweit die bisherigen Erfahrungen, ja. Nur, das ist noch kein Kriterium, um jemanden, der sterbend ist, bereits für tot zu erklären, damit man ihm Organe entnehmen kann, ohne ihn zu töten. Biologisch ist es eindeutig definiert, in jedem Lehrbuch zu finden, dass ein Mensch in diesem Zustand ein schwerstkranker Sterbender ist, aber ein Sterbender ist noch kein Toter.

Meyer: Deutschlandradio Kultur, wir reden über den Hirntod, angesichts der neuen politischen Debatte über Organspenden in Deutschland, und wir reden mit dem Internisten und Kardiologen Paolo Bavastro aus Stuttgart. Und wichtig ist ja die Frage nach dem Hirntod, weil dieser Todeszeitpunkt angenommen wird als Voraussetzung für die Organentnahme nach der heutigen Definition. Meinen Sie nun auch, das sei nicht haltbar? Also, man darf einem Menschen, der erst hirntot ist, dessen Kreislauf aber noch funktioniert, man darf dem eigentlich keine Organe entnehmen?

Bavastro: Primär nein, denn ein Sterbender ist noch kein Toter. Auf der anderen Seite muss man natürlich sagen - und das wäre mein Vorschlag, ich halte den für den einzig gangbaren Weg -, es sind Menschen, die irreversibel im Sterbeprozess sind. Wenn diese Menschen früher nach redlicher Aufklärung - mindestens so wie vor jeder anderen banalen Operation auch, also: Was ist der Hirntod? In welchem Zustand befindet er sich? Welche Folgen könnte es haben? Und so weiter und so fort -, dann kann er sich schriftlich äußern und nur seine ganz persönliche Äußerung gilt, denn in so einer schwierigen Situation kann kein anderer für mich stellvertretend irgendwas entscheiden, dann sind Organentnahmen nach engster Zustimmungslösung straffrei. Das ist so ein ähnliches juristisches Konzept, wie wir es bei der Abtreibung haben. Die Abtreibung ist eindeutig für alle auch unumstritten die Tötung des Embryos. Die Tötung des Embryos ist nicht erlaubt, aber sie ist straffrei gestellt, wenn bestimmte Bedingungen, eben diese Beratung und so weiter, erfüllt sind. Und so ähnlich wäre die Situation hier. Deshalb plädiere ich für die engste Zustimmungslösung, nachdem der Betreffende sich selber geäußert hat. Wer sich aber nicht geäußert hat, oder sich nicht äußern kann, weil ihm das Problem zu kompliziert, zu schwierig, sonst wie ist, oder er sich nicht entscheiden will, dann ist er eben kein Organspender. Diese Freiheit müssen wir jedem einzelnen Bürger lassen, sich so zu entscheiden, oder auch die Freiheit, sich nicht entscheiden zu müssen.

Meyer: Wenn man jetzt aber weiterdenkt, wenn man jetzt überlegt, potenziellen Organspendern sagt man jetzt: Passt auf, in dem Moment, in dem euch die Organe entnommen werden, seid ihr noch gar nicht tot. Ihr seid noch im Sterben begriffen. Meinen Sie nicht, dass dann die Zahl der Menschen, die bereit wären zu Organspenden, rapide zurückgehen würde?

Bavastro: Aber ist das ein Argument? Die Menschen, die muss ich doch aufklären! Ich kann doch nicht sagen: Ich lasse sie unaufgeklärt, nur damit ich zu mehr Organen komme. Das wäre eine zynische Argumentationskette!

Meyer: Wir haben aber auf der anderen Seite ja Menschen, die sterben - etwa 3.000 pro Jahr in Deutschland -, weil sie zu spät Spenderorgane erhalten. Damit würde …

Bavastro: Langsam!

Meyer: Damit würde man …

Bavastro: Widerspruch! Sie sterben nicht, weil Organe fehlen, sondern sie sterben an ihrer Krankheit! Das ist auch eine unredliche Argumentation.

Meyer: Aber sie könnten weiterleben, wenn sie Spenderorgane bekommen. Das heißt, man würde mit dieser … wenn man Ihrer Argumentation folgt, am Ende auch in Kauf nehmen, dass am Ende noch mehr solcher Menschen sterben, die auf Spenderorgane warten?

Bavastro: Ich kann aber nicht einen sterbenden Menschen für tot erklären, und ihn noch dazu im Unklaren lassen, in welcher Situation er sich vielleicht dann befinden könnte, nur, um zu mehr Organen zu kommen. Das ist eine zynische Argumentationskette. Die ist ethisch unhaltbar!

Meyer: Wie haben Sie dieses Dilemma für sich ganz persönlich selbst gelöst? Sind Sie bereit, sich Organe entnehmen zu lassen, nach ihrem Hirntod?

Bavastro: Ich habe bisher das Thema für mich nicht entschieden. Ich führe mit mir einen Zettel, in dem ich draufgeschrieben habe: Der Hirntod ist nicht der Tod! Und solange das Gesetz so unklar ist, wie es jetzt im Moment ist, und nicht die strengste Zustimmungslösung gilt, bin ich kein Organspender. Und diese Entscheidungslösung, die im Moment diskutiert wird, die halte ich für nicht ganz korrekt, weil: Wer soll denn die Menschen, wenn sie einen Führerschein, wenn sie einen Personalausweis beantragen, wer soll sie denn aufklären? Die Menschen am Schalter, die den Führerschein ausgeben, mit Sicherheit nicht! Die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) oder die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, die schreiben schlicht und einfach: Bist du bereit, Organe nach deinem Tod zu spenden? Das ist keine Aufklärung! Wer soll denn die Aufklärung sachgerecht und korrekt machen, in so einer ganz schwierigen und komplizierten Situation? Das müsste eine neutrale Stelle sein, die wirklich auch die Menschen aufklärt, was der Hirntod ist!

Meyer: Die zentrale Ethikkommission der Bundesärztekammer hat gerade gesagt, es sei unabdingbar, sich einer öffentlichen Debatte über das Hirntodkonzept zu stellen. Diese Debatte könnte jetzt in Gange kommen. Hätten Sie die Hoffnung, dass Ihr Konzept, wie Sie es uns gerade beschrieben haben, diese ganz enge Zustimmungslösung - im Blick auch darauf, was der Hirntod Ihrer Auffassung nach eigentlich ist -, hätten Sie die Hoffnung, dass diese Lösung dann angewendet wird?

Bavastro: Man muss sagen, dass man eine Diskussion, eine redliche und offene Diskussion über diesen Unbegriff Hirntod - deshalb sage ich immer Hirnversagen - führt, ist höchste Zeit; international und in ethischen Zeitschriften wird sie schon längst geführt! Und führende Ethiker, die zum Beispiel damals, 1968, diesen Begriff eingeführt haben, die haben sich schon öffentlich davon distanziert. Insofern wäre es höchste Zeit, das in Deutschland auch offen und redlich darüber diskutiert wird. Und dann muss man sehen, welche Lösung danach kommt. Mit Sicherheit wird es dann so sein, dass man diese Diskussionen, wie man sie jetzt führt - über Entscheidungslösung, Widerspruchslösung und Ähnliches - dass die so nicht mehr geführt werden.

Meyer: Ein hirntoter Mensch ist noch nicht tot. Dieser Auffassung ist der Internist und Kardiologe Paolo Bavastro. Herr Bavastro, ich danke Ihnen für das Gespräch!

Bavastro: Bitte!


Die Äußerungen unserer Gesprächspartner geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Sonntag, 5. Juni 2011

Rückmeldungen

Zur HP lebens-lang.de kam vor einigen Tagen per Mail die Nachricht von Herrn Rechtsanwalt Uwe Friedrich, Notar a.D., dass er Merkblätter zum Thema Organspende erstellt hat.


Sehr geehrte Frau Körner, danke für Ihre Rückmeldung.
Ich habe inzwischen edas merkblatt in eine Informationsschrift mit i.W. gleichem Inhalt umgewandelt, da mir das für Öffentlichkeit und Presse besser geeignet erscheien. ich schicke sie Ihnen zu Ihrer beliebigen Verwendung, Verfielfältigung/Verbreitung, auch Einstellung in Ihre homepage, wenn Sie mögen, gerne mit Link auf unsere Homepage, wo die drei merkblätter sei ein paar Tagen auch online abrufbar sind (über Sonstiges/Merkblätter (www.dr-friedrich-partner.de). Ich habe die Info-Schrift auch an FAZ und ZEIT übermittelt, sowie an die hess. und bay. Sozialminister(Brief anbei), ebenso an das Zentralkomitee dt. Katholiken.
Wir bleiben in Kontakt, freundliche Grüße
Uwe Friedrich




Hier die Mail von Herrn RA Friedrich an die oben genannten Institutionen:





Mail des Unterzeichners vom 31.05.2011 (12:52 Uhr) an:
das Hessische Sozialministerium, Herrn Minister Grüttner, (diesjähriger Vorsitzender der Gesundheitsministerkonferenz der Länder, die am 29./30.06.2011 in Frankfurt am Main tagen wird), und das Bayerische Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen, Herrn Minister Söder,
unter Beifügung der Information : aufgeklärte(!) Organspende

Der Text der Mail lautete:

Sehr geehrte Damen und Herren,
sehr geehrter Herr Minister Grüttner,
sehr geehrter Herr Minister Söder,

im Hinblick auf Presseverlautbarungen Ihrer beabsichtigten gemeinschaftlichen Initiative zur Einführung einer "erweiterten Widerspruchslösung" zur Organentnahme, z.B. in Frankfurter Allgemeine Zeitung von heute, S. 43, darf ich mir erlauben, Ihnen meine (an sich zur Mandanten-Information) entwickelte Arbeit

Information : aufgeklärte(!) Organspende
zu übermitteln, auf die ich vollinhaltlich Bezug nehmen darf.

Bitte berücksichtigen Sie die darin aufgezeigte Problematik bei Ihrem Vorgehen, insbesondere die rechtlichen, vor allem die verfassungsrechtlichen und menschenrechtlichen Implikationen !

Klarstellung: Die Arbeit richtet sich nicht gegen Organspende, wohl aber gegen geflissentliches Verschweigen der wirklichen Bedeutung des sog. "Hirntodes" und der Vorgänge vor, bei und nach einer Organentnahme, insbesondere nach den Ergebnissen der modernen Forschung und Erfahrungen.

Kein Politiker sollte dem Volk von "Organspende nach dem Tod" erzählen, sondern er sollte das Volk, für das er Verantwortung trägt, über die wirkliche Bedeutung des sog. "Hirntods", der Problematik seiner Feststellung, der hiernach verbliebenen (und für die Organentnahme not-wendigen) Körperlichkeit und Lebenszeichen ausführlich aufklären und mag dann - trotzdem ! - dafür werben, einer Organentnahme zuzustimmen.

Ohne ausdrückliche - und vollständig informierte ! - Zustimmung des von einer Organentnahme Betroffenen erscheint diese allgemein rechtlich, vor allem verfassungs- und menschenrechtlich unvertretbar ! Wir Deutschen sind angesichts unserer Geschichte gerade bei diesem Punkt zu besonderer Aufmerksamkeit verpflichtet ! Im Einzelnen darf ich auf die vorgelegte Informationsschrift verweisen.

Nur von vollständig wahrheitsgemäß und für sie verständlich aufgeklärten Bürgern sind verfassungs- und menschenrechtlich vertretbare Entscheidungen (auch) in dieser Frage zu erwarten !

Mit freundlichen Grüßen
Uwe Friedrich
Rechtsanwalt Uwe Friedrich, Notar a. D. (1969-2009)
(Erbrecht, Vorsorgerecht, Immobilienrecht) in:
Dr. Friedrich & Partner Rechtsanwälte
Südring 29, D-64832 Babenhausen/H.
Tel +49-(0)6073-7272-0, Fax +49-(0)6073-7272-25
www.dr-friedrich-partner.de



Mittwoch, 4. Mai 2011

Projekt „Hirntod plus“

  • Ist jemand tot, der beatmet werden muss?
  • Ist jemand tot, dessen Herz nicht mehr selbständig schlägt?
  • Ist jemand tot, dessen Gehirn keine sichtbaren Reaktionen mehr zeigt?

In jedem der drei Fälle kann es möglich sein, dass der Mensch tot ist oder dass der Sterbeprozess begonnen hat. Wirklich tot ist aber nur jemand, der nicht mehr atmet, wenn das Herz nicht mehr schlägt und auch das Gehirn nicht mehr durchblutet wird.
Welche Empfindungen oder welches Bewusstsein ein Mensch hat, dessen Gehirn aufgrund von Herz-Lungen-Stimulation durchblutet wird, kann niemand mit Gewissheit sagen, weil darüber keine Erkenntnisse vorliegen und dieser Bereich auch nicht erforscht wird. Es wäre möglich, dass ähnlich wie beim Apallischen Syndrom, irgendwann eine Rückkehr ins Leben möglich ist, vor allem, wenn eine entsprechende Stimulation stattfindet.
Ein als hirntot deklarierter Mensch wird aber nicht mehr stimuliert, sondern entweder aufbewahrt bis der Tod eingetreten ist, oder für Organentnahme vorbereitet. Beides widerspricht der Ethik und dem christlichen Verständnis von Menschenwürde.

Das muss sich ändern:
  • Aufklärung über den Zustand „Hirntod“
  • Bei der Beratung von Angehörigen von Hirntoten zum Zweck der Freigabe zur Transplantation muss ein neutraler, nicht dem medizinischen Kollegium zugehöriger Berater für die Angehörigen zur Verfügung stehen
  • Auf jedem Spenderausweis muss der Hinweis auf die umstrittene Hirntoddiagnose stehen (Hirntod heißt, dass der Körper künstlich lebendig erhalten wird und noch nicht tot ist)
  • Die Routine der Organentnahme muss berücksichtigt werden, dass der Spender in einem Zustand ist, in dem er Schmerz und andere Gefühle empfinden kann

Dienstag, 12. April 2011

Wie ich zu diesem Thema kam . . .

Der Organspender - Ausweis wird von zahlreichen Organisationen als unbedingt notwendig beworben. Wer ein guter Mensch ist, hat so einen Ausweis für den Fall des eigenen Todes bei sich zu haben. Man bekommt fast ein schlechtes Gewissen, wenn man keinen hat. Ich habe keinen, werde auch nie einen haben und falls die Widerspruchsregelung kommt, könnte es durchaus sein, dass ich mir das nein, ich spende keine Organe

                                      auf den Bauch tätowieren

lasse. Für meine Ansicht zum Thema Organspende habe ich gute Gründe, persönliche Erlebnisse und Erfahrungen mit Menschen in meinem Lebensumfeld.
Zu diesem Thema möchte ich ein persönliches Erlebnis von mir einstellen, das zwar schon lange Zeit her ist, aber an den Testmethoden, ob bei einem Menschen der Tod eingetreten ist, hat sich kaum etwas verändert. Immer noch gilt der Hirntod als sicher, wenn die angeschlossenen Geräte bei den Hirnströmen innerhalb von 20 Minuten eine absolute Null-Linie zeigen.
Zuerst muss ich ganz deutlich sagen, dass ich kein Gegner der Organtransplantation bin, aber ich bin für eine offene Beschreibung des Aktes der Organentnahme, die ja noch am lebenden Körper stattfindet und nicht nach dem Tod.
Mein Mann, wir sind inzwischen geschieden, hatte nach einer Kropfoperation einen Herzstillstand erlitten aufgrund einer Nachblutung, die auf einen im Operationsgebiet liegenden Reflexknoten für die Herztätigkeit drückte. Dieser Vorgang wurde vom Bettnachbarn beobachtet, der sofort nach Hilfe rief. Vom diensthabenden Nachtschichtarzt wurde der Tod festgestellt, die Nachtschwester alarmierte den Chefarzt zu Hause, weil der operiert hatte. Dieser kam nach ca. 20 Minuten im Krankenhaus an, er setzte die Reanimierung an und eine Notoperation. Es wurde der komplette Hirntod festgestellt, spontane Atmung gab es nicht. Also wurde mein Mann beatmet und auf die Intensivstation verlegt.
Mir wurde mitgeteilt, dass mein Mann bald sterben würde, was auch wünschenswert sei, weil das Gehirn mindestens 20 Minuten ohne Sauerstoff gewesen sei.
Zum Glück war damals (1975) die Transplantationstechnik noch nicht so verbreitet wie heute, sonst hätte man mich sicher gefragt, ob ich einverstanden sei, dass Organe entnommen werden könnten, schließlich war mein Mann gerade mal 38 Jahre alt und komplett gesund.
Während der folgenden vier Tage war ich nahezu rund um die Uhr an seinem Bett und habe ihn beobachtet, auf ihn eingeredet, konnte nicht akzeptieren, dass er eigentlich tot sein sollte. Schließlich beobachtete ich, dass die Monitore bei bestimmten Ereignissen keine Nulllinie zeigten, sondern ausschlugen – also war da noch Leben nach meiner Meinung. Am fünften Tag bemerkte ich, dass er auf meine Stimme reagierte, die Ärzte veranlassten daraufhin eine Untersuchung der Gehirnaktivität mit dem Ergebnis, dass es keine Hoffnung gäbe. Sein Gehirn sei absolut tot.
Er bekam dann eine Lungenentzündung, wohl durch die Beatmung, wie man mir sagte, mit hohem Fieber und Schüttelfrost. Die diensthabende Ärztin ließ ihn mit kaltem Wasser einsprühen, ohne zugedeckt zu sein lage er nackt dicht am Fenster und die Ärztin meinte, vielleicht könne er so etwas früher sterben.
Nach etwa einer Woche wehrte er sich gegen die künstliche Beatmung, er hustete und würgte. Man beschloss, die Beatmung abzustellen, mit dem Risiko, dass er danach wohl versterben würde. Er atmete aber wieder selbständig und alle waren verwundert. Wieder wurde eine Überprüfung der Gehirnaktivität angesetzt, mit dem gleichen Ergebnis: Gehirn absolut ohne Funktion.
In den folgenden Tagen konnte ich beobachten, dass die Kurven der angeschlossenen Instrumente für Herztätigkeit sich veränderten, ganz eindeutig reagierte er auf mich, auf Schmerzen beim Absaugen der Lunge, bei Einstichen an bestimmten Stellen durch die Ärzte. Diese erklärten mir, dass das eben ganz niedrige Reflexe wären, die nichts mit der Gehirntätigkeit zu tun hätten.
Trotzdem wachte mein Mann immer mehr auf: Er bewegte die Lippen, er wollte sprechen, aber er war nicht zu verstehen. Wiederum nach wenigen Tagen verstand ich, was er sagte. Er lebte anscheinend in einer Fantasiewelt, er sprach von Wasser, von Flüssen, die er überqueren müsse, um zu seiner Frau zu kommen. Irgendjemand hielt ihn aber fest, so dass er den Fluss nicht überqueren konnte. Ich versuchte immer wieder, zu ihm Kontakt zu bekommen und ihm zu sagen, dass er doch ganz sicher sei, im Bett liegen würde und er keine Angst haben solle. Und eines Tages war er wach, blickte um sich, erkannte mich und konnte auch wieder sprechen, zwar undeutlich und nur kurze Wörter, aber er war wieder ganz auf dieser Welt.
Die Ärzte beschimpfte er aber alle als Dummköpfe, denn er erzählte mir, dass ihn ein Arzt in den Keller in einem Kühlschrank verstaut hätte, dann wäre er von total hektischen Ärzten wieder hervorgezerrt worden und ein Arzt hätte ihm den Hals aufgeschnitten, ohne Narkose oder Schmerzmittel sei er noch einmal operiert worden. Als ich das völlig entsetzt dem Oberarzt auf der Station erzählte, wo der Zwischenfall stattgefunden hatte, wurde mir bestätigt, dass es so war: er war erst in der Pathologie, weil er ja tot war, erst der Chefarzt bestand auf einer erneuten OP. Diese wurde ausgeführt, der Patient beatmet, wohl wissend, dass er aufgrund des langen Sauerstoffmangels im Gehirn nie wieder gesund werden würde.
Wie kann ein toter Mensch sehen, was mit ihm passiert? Warum kann ein toter Mensch Schmerzen spüren?
Für mich waren das damals rätselhafte Dinge, aber ich musste mich dem Leben zuwenden, meinen Mann wieder möglichst gesund pflegen, damit das Leben weiter gehen konnte.
Mein hirntoter Mann / Exmann ist durch diesen Zwischenfall stark körperlich eingeschränkt, es hat lange gedauert, bis er wieder gehen konnte, aber inzwischen ist er zum dritten Mal verheiratet und ich denke, es geht ihm gut.
Hätte man ihm damals Organe entnommen, aufgrund der mehrmaligen Hirntod-Diagnose wäre er heute nicht mehr am Leben.
Wer Organe spendet, sollte wissen, dass die Zeit des Sterbens nicht so weit erforscht ist,
dass man sagen kann, was der Mensch während dieser Zeit fühlt und empfindet.
Sicher ist nur, dass der Organspender unwiederbringlich tot ist nach der Spende.
Eine Freundin von mir arbeitet an einer auf Organtransplantation spezialisierten Uni als Intensivschwester. Ihre Aufgabe war es unter anderem, die gesetzlichen Hirntod-Untersuchungen durchzuführen und zu protokollieren. Sie hat mir erzählt, wie schwierig es manchmal ist, eine 20-minütige Nullkurve im Diagramm zu bekommen, denn manchmal schlägt der Monitor wieder aus, wenn draußen im Flur Lärm ist, ein Flugzeug über die Klinik donnert oder jemand zur Türe hereinkommt. Ich denke da immer an meinen Exmann, bei dem ich Ähnliches beobachtet habe und der heute noch lebt.
Ich meine, Organtransplantation ist ein großes Geschäft, das etwas mehr Humanität gut vertragen könnte.

Projekt "Hirntod plus"

Projekt „Hirntod plus“

  • Ist jemand tot, der beatmet werden muss?
  • Ist jemand tot, dessen Herz nicht mehr selbständig schlägt?
  • Ist jemand tot, dessen Gehirn keine sichtbaren Reaktionen mehr zeigt?

In jedem der drei Fälle kann es möglich sein, dass der Mensch tot ist oder dass der Sterbeprozess begonnen hat. Wirklich tot ist aber nur jemand, der nicht mehr atmet, wenn das Herz nicht mehr schlägt und auch das Gehirn nicht mehr durchblutet wird.
Welche Empfindungen oder welches Bewusstsein ein Mensch hat, dessen Gehirn aufgrund von Herz-Lungen-Stimulation durchblutet wird, kann niemand mit Gewissheit sagen, weil darüber keine Erkenntnisse vorliegen und dieser Bereich auch nicht erforscht wird. Es wäre möglich, dass ähnlich wie beim Apallischen Syndrom, irgendwann eine Rückkehr ins Leben möglich ist, vor allem, wenn eine entsprechende Stimulation stattfindet.
Ein als hirntot deklarierter Mensch wird aber nicht mehr stimuliert, sondern entweder aufbewahrt bis der Tod eingetreten ist, oder für Organentnahme vorbereitet. Beides widerspricht der Ethik und dem christlichen Verständnis von Menschenwürde.

Das muss sich ändern:
  • Aufklärung über den Zustand „Hirntod“
  • Bei der Beratung von Angehörigen von Hirntoten zum Zweck der Freigabe zur Transplantation muss ein neutraler, nicht dem medizinischen Kollegium zugehöriger Berater für die Angehörigen zur Verfügung stehen
  • Auf jedem Spenderausweis muss der Hinweis auf die umstrittene Hirntoddiagnose stehen (Hirntod heißt, dass der Körper künstlich lebendig erhalten wird und noch nicht tot ist)
  • Die Routine der Organentnahme muss berücksichtigt werden, dass der Spender in einem Zustand ist, in dem er Schmerz und andere Gefühle empfinden kann